Auslöser für diesen Gedankengang am Samstagvormittag war der Bericht einer Freundin, die heute für eine andere Freundin eine “Baby Shower” Party ausrichtet. Ein Brauch, den wir aus den USA bzw. aus der “Sex and the City” kennen.
Daraufhin stellte ich mir die Frage: Warum kommen so viele Trends aus den USA und warum adaptieren wir selten Bräuche oder neue Dinge aus Frankreich, Dänemark oder Polen? Und warum setzen immer noch die USA die Trends und selten Europa, von Nischen wie der Mode mal abgesehen?
Vielleicht hat es etwas mit der Kultur zu tun. Die USA haben keine über so lange Zeit gewachsene und gefestigte Kultur wie Europa, einfach, weil sie noch viel jünger sind. Und insgesamt wird mir wohl keiner widersprechen, wenn ich dem guten alten Europa mehr Kultur zuspreche als Nordamerika.
Kultur allerdings kann das Trendsetting durchaus bremsen. Denn wo Kultur ist, fehlt auch der Kulturpessimismus nicht, und der bezeichnet per definitionem “einen Pessimismus gegenüber gegenwärtigen Tendenzen und zukünftigen Entwicklungen in der Kultur”. Zukünftige Entwicklungen? Trends, könnte man auch sagen. Kultur hat also auch etwas mit kultivieren zu tun, mit bewahren, konservieren, ist konservativ. Gift für Trends, für die es die Freiheit von altem Denken braucht, eine gewisse Chuzpe und den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen, auch auf die Gefahr hin, entweder übersehen oder belächelt zu werden.
Trotzdem lebe ich lieber in der europäischen Kultur als im amerikanischen Trendland. Auch wenn wir hier ein bisschen von gestern sind.